Vortrag: Weiterbildungsveranstaltung
in Trier
7. bis 9. November 2003
ALTE GESCHICHTE UND IHRE VERMITTLUNG:
MEDIEN - SCHULEN - HOCHSCHULEN
16.00 – 16.15 Uhr StR Bernhard Meyer (Laichingen):
"Neue Medien in der Schule - ein Erfahrungsbericht aus der Sicht eines
Tele-Tutors"
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie dem Programm der heutigen Veranstaltung entnommen haben, werde ich im Folgenden über den „Einsatz der neuen Medien in der Schule aus Sicht eines Lehrers und Teletutors“ berichten.
Gestatten Sie mir hierzu noch kurz eine Vorbemerkung:
Als Lehrer eines Gymnasiums in Baden-Württemberg werde ich mich in meinen Beispielen insbesondere auf die Situation in diesem Bundesland beziehen. Dies mag vielleicht auch dadurch gerechtfertig sein, da nach Kultusministerin Schavan in Bezug auf ‚Multimedia in der Schule’ in der inhaltlichen Umsetzung als auch in der Ausstattung der Schulen und ihrer technischen Unterstützung Baden-Württemberg einen Spitzenplatz im Vergleich mit anderen Bundesländern belege; (siehe hierzu http://www2.lmz-bw.de/data/zeitschrift/id52.pdf )
Auf den Aufgabenbereich eines ‚Teletutors’ werde ich an anderer Stelle zu sprechen kommen. Diesen Vortrag und Internetadressen und Zitatstellen, auf die ich mich im Laufe meines Vortrags beziehe, finden Sie auf meiner Homepage.
Im Folgenden versuche ich nun in einem kurzen chronologischen Abriss die zunehmende Bedeutung der neuen Medien im schulischen Alltag aufzuzeigen, ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen.
Um die Zielrichtung dieser Entwicklung vorwegzunehmen: Heute stellt sich Ihnen nicht mehr die Frage, ob Sie neue Medien im Unterricht einsetzen möchten oder nicht, sondern nur noch wann und wie.
1. Medienoffensive I
Das Land Baden-Württemberg hat mit der Medienoffensive I im Jahre 1996 einen großen Schritt in dieser Richtung getan, die neuen Medien im schulischen Alltag zu verankern. http://www.kultusministerium.baden-wuerttemberg.de/pdf/medienoffensive.pdf
Ziele hierbei waren,
a) die Vernetzung der Schulen durch das Landesforschungsnetz und durch den Landesbildungsserver zu ermöglichen,
b) die Qualifizierung durch Lehreraus- und fortbildung und
c) die Lerninhalte und Konzepte zu entwickeln durch innovative Schulprojekte und Lernsoftware.
Hierzu wurde jede Schule in Baden-Württemberg mit einem Multimedia-PC ausgestattet (damals noch ein PII 266 Mhz); insgesamt sind über 3000 PC ausgeliefert worden. Die Schulen erhielten einen Zugang zum Internet über das Landesforschungsnetz und später einen kostenlosen Zugang über die T-online. Außerdem wurden in einer 10-tägigen Fortbildungsreihe Netzwerkbetreuer und Multimediaberater ausgebildet, so dass nun an jeder Schule zumindest ein Netzwerkbetreuer und ein Multimediaberater vertreten sein sollten.
Die Medienoffensive I wurde im Jahr 2001 in ihrer Form beendet und 2002 von der Medienoffensive II abgelöst.
2. Regionale Arbeitskreise Internet (RAI)
http://www.osa.tue.schule-bw.de/medien/index-medien.html
Zur Unterstützung der Lehrerfortbildung wurden Regionale „Arbeitskreise Internet“ gegründet, die den Oberschulämtern zugeordnet sind. Ihre Aufgabe war es einerseits, die Ausbildung der Netzwerkbetreuer und Multimediaberater im Rahmen von regionalen Lehrerfortbildungen weiterzuführen. Andererseits haben die RAIs auch Fortbildungen für alle Kolleginnen und Kollegen angeboten, um deren Grundkenntnisse im Umgang mit den neuen Medien zu vertiefen bzw. überhaupt solche zu schaffen.
Inzwischen hat sich die Aufgabenstellung der RAIs geändert; sie heißen nun auch seit dem Jahre 2002/2003 RUM (regionales Unterstützungssystem Multimedia). Aufgabe ist es nun, auf die Fächer bezogen spezifischen Einsatzmöglichkeiten der neuen Medien anzubieten; insbesondere in den Bereichen Lernsoftware’, digitale Bild- und Soundbearbeitung. Die Vermittlung von Basiskompetenzen ist nicht mehr vorgesehen, da davon ausgegangen wird, dass inzwischen jeder ausreichend Möglichkeiten hatte, sich diese zu erwerben, bzw. ansonsten der Multimediaberater der jeweiligen Schule gefordert ist.
Mittelfristig werden die Aufgaben der RUMs oder RAIs zunehmend an die Kreismedienstellen verlagert. Außerdem leiden die Fortbildungsveranstaltungen der regionalen Arbeitskreise immer mehr unter einer sehr geringen Teilnehmerzahl bei den Fortbildungsveranstaltungen. Das gilt auch weitgehend für die Veranstaltungen der Kreismedienstellen. Hier kann man wohl als Ursachen die zunehmende Belastung der Lehrerinnen und Lehrer nennen, die sie abhält, sich zusätzlich mit einem Medium auseinanderzusetzen, das sehr zeitintensive Anforderungen an sie stellt. Außerdem steht das Bestreben manchen Schulleiter den Anliegen der RAIs entgegen, die Unterrichtsausfallzeiten möglichst gering zu halten, indem kaum Lehrkräfte zu ganztägigen Fortbildungen beurlaubt werden.
3. Intel® „Lehren für die Zukunft“
http://alp.dillingen.de/projekte/lehren_zukunft/
http://www.intel.com/deutsch/education/sections/section2/programm.htm
Im Jahr 2000 wurde die weltweite Aktion “ Intel® „Lehren für die Zukunft“ begonnen. Es handelt sich hierbei um ein gemeinsames Projekt von Intel, Microsoft und führenden PC-Herstellern mit einer Investition von mehr als 100 Mio. US$.
Den Lehrkräften werden in insgesamt 40 verpflichtenden modular aufgebauten Trainingseinheiten die Inhalte und das notwendige methodisch-didaktische Handwerkszeug zum Einsatz Neuer Medien im konkreten Unterrichtsgeschehen vermittelt.
Die Resonanz war so überwältigend, dass zu Beginn nicht in ausreichendem Maße Trainingsmaterialien nachgeliefert werden konnten, bzw. mit Microsoft neue Kontingente der Software ausgehandelt werden musste, die nach Ablauf des Kurses in den Besitz der Teilnehmer übergingen.
Inzwischen wird gerade ein neues Konzept erarbeitet für die Umsetzung von
Intel-Online-Fortbildungen in Baden-Württemberg, wobei Telementoren aus einzelnen Fächern über Foren und E-Mail-Support die Kolleginnen und Kollegen unterstützen sollen. Diese Fortbildungen werden überwiegend fachdidaktisch orientiert sein, wobei im die Erweiterung der Methodenkompetenz durch den Einsatz digitaler Medien und die Erweiterung der Lernkompetenz der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt steht.
4. Lehrplan-Synopse
http://www.leu.bw.schule.de/allg/synopse/
Im Herbst 2001 wurden einige Kolleginnen und Kollegen gebeten, für das Landesinstitut für Erziehung und Unterricht Stuttgart (LEU) im Auftrag des Kultusministeriums eine Zusammenstellung der Einsatzmöglichkeiten Neuer Medien im Unterricht des allgemein bildenden Gymnasiums zu verfassen. Die Grundlage für die Ausarbeitung war der Bildungsplan aus dem Jahr 1994. So wurden Programm- und Linkempfehlungen für die Lehrplaneinheiten eines jeden Faches erstellt; d.h. der Lehrplan der jeweiligen Fächer wurde daraufhin durchforstet, wo sich ein sinnvoller Einsatz der neuen Medien anbietet. Bei diesem Vorgehen wurde in besonderer Weise der ‚Mehrwert’ berücksichtigt, der durch den Einsatz der neuen Medien gegeben ist. Es wurde versucht, das spezifische Potential der multimedialen Informationssysteme herauszustellen und Lehrplaneinheiten und
-bezüge aufzuzeigen, die ohne Einsatz der neuen Medien mit erheblich mehr Aufwand oder gar nicht oder mit weniger Lernerfolg durchgeführt werden können.
(Die Arbeit ist nun mit den neuen Lehrplänen und Bildungsstandards zumindest teilweise inzwischen überholt).
5. Medienoffensive II
Die Grundlagen für die Medienoffensive II (Teil der Zukunftoffensive III des Landes Baden-Württemberg) wurden bereits im Herbst 2001 gelegt, als Land und Kommunen sich darauf verständigt hatte, jährlich 50 Millionen Euro aus der kommunalen Investitionspauschale für eine Verbesserung der Medienausstattung an den Schulen zu verwenden.
Die Medienoffensive II stellt eine Fortführung der Medienoffensive I dar, wobei nun die Zielrichtung ist, dass die neuen Medien zu einem „selbstverständlichen, universellen und jederzeit verfügbaren Werkzeug für den Unterricht werden um die Qualität des Unterrichts zu erhöhen,“ (Zitat: Dr. Beatrix Sauter http://www2.lmz-bw.de/data/zeitschrift/id51.pdf ).
Dabei sollen wesentlich weitgehender als bisher die neuen Medien in der Didaktik der Unterrichtsfächer und in die Gestaltung des Unterrichts integriert werden.
Damit die Schulen dies leisten können, wurden im Dezember 2002 ‚Multimedia-Empfehlungen’ veröffentlicht und es wurde jede Schule aufgefordert, einen eigenen Medienentwicklungsplan in enger Absprache mit dem Schulträger zu erstellen. Hierin sollen die pädagogisch-didaktischen Nutzungsmöglichkeiten und die dafür erforderliche Vernetzung und Ausstattung beschrieben werden. Die Medienentwicklungspläne sollen sich wiederum möglichst an „Musterlösungen“ orientieren, die u.a. im Auftrag des Landesinstitut Erziehung und Unterricht Stuttgart entwickelt wurden.
Nur auf der Basis eines Medienentwicklungsplanes werden die Gelder für die jeweilige Schule bis zum Jahre 2006 bewilligt. (Für das Gymnasium, an dem ich unterrichte, ist das eine Summe von ca. 130.000 €).
Leitbild der Medienoffensive II ist die ‚vernetzte Schule’. So soll man von allen Klassenzimmern aus auf die Ressourcen des Intranets wie des Internets zugreifen können. Das setzt wiederum ein pädagogisches Netzwerk voraus, in dem u.a. die Rechte für Schüler und Lehrer den jeweiligen Anforderungen entsprechend vergeben sind. Auf diese Weise sollen die neuen Medien fächerintegrativ eingesetzt werden. Immer wenn sich die Situation ergibt, dass Schüler wie Lehrer mit den neuen Medien arbeiten wollen, soll sich dies ohne erheblichen Aufwand in kurzer Zeit realisieren lassen. Das Netz soll somit im schulischen Alltag zur selbstverständlichen Arbeitsgrundlage werden.
6. Landes- und Kreismedienstellen
http://www2.lmz-bw.de/lmz/home/home_3.htm
In diesem Zusammenhang ist eine teilweise geänderte Aufgabe der Landes- und Kreismedienstellen zu sehen. Diese haben nicht nur zunehmend mehr DVDs im Verleihangebot; sondern es können auch über Kreislizenzen Datenträger bestellt werden, die dann an den Schulen verbleiben. Im weiteren bieten die Landesmedienzentren eine hotline für technische Unterstützung an, sofern das schulische Netzwerk auf den oben erwähnten Musterlösungen aufgesetzt ist.
Das Projekt ‚SESAM’ stellt einen weiteren Aufgabenbereich im Rahmen der Medienoffensive II dar. Hierbei werden Medien mit methodisch-didaktischem Material online zur Verfügung gestellt. Es handelt sich aber momentan noch um ein Pilotprojekt, an dem einige Schulen beteiligt sind; man kann sich aber als Gast einloggen und auf die Datenbanken zugreifen.
7.) neue Medien in den neuen Bildungsplänen
http://www2.lmz-bw.de/data/zeitschrift/id52.pdf
http://www.leu.bw.schule.de/allg/lehrplan/gymnasium/gy_s_g.pdf
http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/
Solche finanziellen wie konzeptionellen Anstrengungen werden dann besonders im schulischen Alltag wirksam, wenn eine Vernetzung mit dem Bildungsplan gegeben ist. Daher berücksichtigen die neuen Bildungspläne des Landes Baden-Württemberg den Einsatz der neuen Medien in besonderer Weise. Zitat: Kultusministerin Schavan:
„In den neuen Bildungsplänen werden die neuen Medien in besonderer Weise berücksichtigt: Zum einen als Hilfsmittel und Werkzeug für Lernen und Unterricht, zum anderen las Gegenstand von Unterricht im Sinne der Medienerziehung, etwa was die gesellschaftliche Bedeutung der neuen Medien angeht. Für den pädagogisch- didaktisch sinnvollen und nachhaltigen Einsatz der neuen Medien brauchen wir überzeugende neue Lern- und Unterrichtskonzepte. Das sind z.B. Unterrichtsmethoden und Lernarrangements, die die Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler sowie das Lernen in wirklichkeitsnahen Zusammenhängen fördert.“ ( zitiert aus ‚analog und digital; Heft 2/2003).
Daher erfolgen über die Oberschulämter schulart- und fachspezifische Fortbildungsangebote zum konkreten unterrichtlichen Einsatz neuer Medien unter Berücksichtigung der Bildungsstandards. Diese Fortbildungsangebote werden seit Sommer 2002 entwickelt und weitergeführt.
8. e-learning:
http://www.lehrerfortbildung-bw.de/elearning/
http://www.bildungsportal.nrw.de/BP/Schule/E_Learning/
Zum Abschluss möchte ich noch eine Einsatzmöglichkeit der neuen Medien ansprechen, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Es handelt sich hierbei um ‚e-learning.
In der Wirtschaft wird e-learning inzwischen vielfach eingesetzt, da es ein besonderes Potential bei räumlich getrennten Lerngruppen entfalten kann. Im Internet wird Lernmaterial in virtuellen Lernumgebungen zur Verfügung gestellt, das dann in selbstgesteuertem Lernen zeitlich unabhängig durchgearbeitet werden kann. Die Lernenden werden im Verlauf des Kurses von einem Teletutor persönlich betreut, sei es per E-Mail oder gemeinsam mit anderen Lernenden im chat.
Im schulischen Bereich soll e-learning in der Lehrerfortbildung in Baden-Württemberg eingesetzt werden; aber es sollen auch Schüler betreut werden, die über eine längere Zeit nicht eine Schule aufsuchen können wie z. Bsp. Sportler in Trainingslager.
Nordrhein-Westfalen ist im Bereich von e-learning sicher bereits sehr weit gegangen, wenn man sich die Seiten im Internet ansieht wie etwa „abitur-online“. Einige Abendgymnasien in diesem Bundesland bieten die Möglichkeit, die Hälfte der Unterrichtszeit in Selbststudium über das Internet zu verbringen, um den Abschluss zu erreichen. Ebenfalls startete das Land Nordrhein-Westfalen verschiedene Pilotprojekte in Bezug auf e-learning in der Oberstufe. Die Ergebnisse sind teilweise im Internet dokumentiert.
9. Fazit:
Fasst man diese Entwicklung zusammen, so kann man wohl die Meinung vertreten,
wie sie in den ‚Multimedia-Empfehlungen’ der Medienoffensive 2 formuliert ist. Ich zitiere:
„Im 21. Jahrhundert wird der Computer zu einem wichtigen Medium für den Unterricht.
Im Gegensatz zu den ‚klassischen’ Medien ist der Computer ein Universalmedium…..
Die Schulen müssen sich dieser neuen Medientechnologie öffnen, wenn sie ihrem Anspruch gerecht werden wollen, für das Leben vorzubereiten. Angesichts zunehmender nationaler wie internationaler Vernetzung (‚Globalisierung’), der Komplexität und Dynamik aller gesellschaftlichen Bereiche und der exponentiell zunehmenden Mengen des verfügbaren Wissens kommt die Schule ohne das neue Medium ‚Computer’ nicht mehr aus. Schule in der Informationsgesellschaft braucht den integrativen Einsatz des Computers im Unterricht aller Fächer und Lernbereiche.“ (Multimedia-Empfehlung S. 9)
Auf die Problematik dieses eingeschlagenen Weges möchte ich nicht weiter eingehen, sondern abschließend auf das Buch von Hartmut von Hentig verweisen: „Der technischen Zivilisation gewachsen bleiben.“
Vielen Dank